Unfall mit Oldtimer

Peter Heyers • • Oldtimerrecht

Es kommt zum Verkehrsunfall - im Glücksfall nur Blechschaden. Dann folgt das großzügige Angebot der gegnerischen Versicherung, zusammen mit einer Kfz-Werkstatt alles Notwendige ohne Rechtsanwalt und Gutacher zu regeln. Wie großzügig ist ein solches Angebot aber wirklich?

Das Wichtigste vorab: Die Kosten des Rechtsanwalts hat immer - bis auf extreme Ausnahmefälle - die Versicherung des schuldigen Unfallverursachers zu zahlen. Gerade bei vermeintlich einfacher Sachlage wird seitens der gegnerischen Versicherung auf das Unfallopfer Einfluss genommen, die Sache „unbürokratisch und schnell“ ohne Anwalt zu erledigen. Nur bleiben dabei oft viele Ansprüche unberücksichtigt, oder sie werden zu gering abgegolten.

Zunächst einmal hat ein Unfallopfer das Recht, einen unabhängigen Sachverständigen seiner Wahl zu beauftragen, um sein verunfalltes Fahrzeug zu begutachten. Dazu gehört neben der reinen Schadensfeststellung auch die Sicherung der Beweise, die Feststellung der Wertminderung, des Rest- und Wiederbeschaffungswertes und der Reparaturkosten. Die Kosten für dieses Gutachten muss die Versicherung des Gegners übernehmen. Lediglich bei Bagatellschäden werden die Kosten nicht ersetzt. Dann empfiehlt es sich, zu einer vertrauenswürdigen Fachwerkstatt zu gehen, um sich dort einen Kostenvoranschlag machen zu lassen. In dieser Werkstatt darf man sein Fahrzeug auch reparieren lassen. Versicherungen verlangen gern, dass eine Partnerwerkstatt der Versicherung aufgesucht wird - darauf muss man sich nicht einlassen!

Gern nehmen Versicherungen auch auf die Entscheidung des Unfallopfers Einfluss, ob das Fahrzeug repariert wird oder nicht. Davon sollte man sich nicht beeinflussen lassen: Übersteigen die Wiederbeschaffungs- die Reparaturkosten nicht oder maximal bis zu 30%, so hat man immer ein Wahlrecht und kann frei entscheiden, was man mit seinem beschädigten Fahrzeug machen möchte. Insbesondere kann die Versicherung grundsätzlich keinen Nachweis der Reparatur verlangen. Ein Ersatz des Schadens ist grundsätzlich auf Gutachtenbasis möglich. Dieser Vorgang heißt „fiktive Schadensabrechnung“. Grund, den Schaden fiktiv auf Grundlage des Gutachtens abzurechnen, ist meist der Wunsch, den Schaden gar nicht zu reparieren und das Fahrzeug beschädigt weiterzubenutzen, eine Eigenreparatur oder der Plan, ein neues Fahrzeug anzuschaffen und den Schadensersatz in diesen Kauf einfließen zu lassen. Dies bedeutet keine Schädigung der gegnerischen Versicherung oder des Unfallgegners, es besteht daher in jedem Fall ein Anspruch auf den zur Wiederherstellung erforderlichen Geldbetrag - eine Pflicht zur sachgebundenen Verwendung gibt es nicht! Lediglich die Mehrwertsteuer wird nur ersetzt, wenn sie in einer Fachwerkstatt auch tatsächlich angefallen ist.

Häufig ziehen Versicherungen vom Wiederbeschaffungs- den Restwert ab und zahlen nur die Differenz aus, für den Ersatz des Reparaturschadens verlangen sie hingegen eine Reparaturnachweisbedingung, ohne die sie nicht zahlen wollen: Dies ist unzulässig! Ersatz des Wiederbeschaffungs- abzüglich des Restwertes kann das Unfallopfer verlangen, wenn die 30%-Marke der Reparaturkosten überschritten ist, oder wenn das Fahrzeug aufgrund eines Totalschadens nicht mehr genutzt werden soll. Bei der Bemessung des Restwertes drücken Versicherungen gern den Preis, indem sie - oft nach monatelangem Schriftwechsel - plötzlich irgendwelche überdurchschnittlich hohen Restwertangebote unbekannter Autohändler aus dem Hut zaubern. Davon braucht man sich nicht irritieren zu lassen - bei der Bemessung des Restwertes sind nur Angebote des allgemeinen örtlichen Kfz-Marktes zu berücksichtigen, nicht hingegen z.B. irgendwelche ominösen Restwertbörsen im Internet. Restwertangebote der Versicherung müssen nur berücksichtigt werden, wenn ein konkretes Angebot vorliegt, bevor das Fahrzeug verkauft wurde, und wenn der Käufer das Fahrzeug gegen Barzahlung kostenfrei am Standort abholt.

Kommt es zu Personenschäden, so hat der Verletzte Anspruch auf Schmerzensgeld, Ersatz des Verdienstausfalls bzw. des Erwerbsschadens und Ersatz der Heilbehandlungskosten, soweit die Krankenversicherung nicht eintritt. Schmerzensgeldfähig ist auch das „HWS-Syndrom“ (Schleudertrauma). Sogenannte „vermehrte Bedürfnisse“, wie die Kosten einer Kurbehandlung, Umschulungsmaßnahmen, orthopädische Hilfsmittel oder ein Haushaltsführungsschaden, sind ebenfalls zu ersetzen. Letzterer betrifft Personen, die ihre Arbeitskraft im Haushalt einbringen und dort aufgrund des Unfalls - dauerhaft oder vorübergehend - nicht mehr einsetzbar sind. Falls ein naher Angehöriger getötet wird, haben die Hinterbliebenen neben dem Ersatz der Beerdigungskosten Anspruch auf Übernahme der Unterhaltsverpflichtungen des Getöteten